Arbeitszeugnis Muster: Schritt für Schritt Anleitung

Vorbemerkung:

Obwohl der Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis hat, muss er diesen Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber ausdrücklich geltend machen.

Unterschieden wird zwischen einem einfachen Arbeitszeugnis und einem qualifizierten Arbeitszeugnis. In einem einfachen Arbeitszeugnis beschreibt der Arbeitgeber nur Dauer und Art der Tätigkeit des Arbeitnehmers. In einem qualifizierten Zeugnis beurteilt der Arbeitgeber zusätzlich noch Leistung und Verhalten des Arbeitnehmers.

Gerade bei der Beurteilung der Leistungen des Arbeitnehmers sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer oft unterschiedlicher Meinung. Deswegen ist es umso wichtiger, bei der Erstellung eines Arbeitszeugnisses auf sorgfältige Formulierungen zu achten.

Ob ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis hat, hängt von der Dauer der Beschäftigung ab. Zumindest nach Beendigung der Probezeit besteht ein Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Der Vorteil eines qualifizierten Arbeitszeugnisses besteht darin, dass es bei zukünftigen Bewerbungen, dem neuen Arbeitgeber einen positiven Eindruck über den Bewerber vermittelt.

Der Arbeitgeber muss das Arbeitszeugnis auf dem Firmenbriefpapier ausdrucken. Das Arbeitszeugnis soll wohlwollend, klar und verständlich formuliert sein.

Bitte beachten Sie die Erläuterungen zu den einzelnen Abschnitten des Musters, denn ein Zeugnis entscheidet über die berufliche Zukunft. Sie sollten insbesondere bei der Erstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses größten Wert auf eine sorgfältige Formulierung legen. Es kommt sehr oft vor, dass wegen eines mangelhaften Arbeitszeugnisses Klage eingereicht wird.

Gratis Arbeitszeugnis Vorlage inklusive Formulierungen

 

1. Einleitung – Für wen ist das Arbeitszeugnis?

Nach der Überschrift gibt der Arbeitgeber Name und Berufsbezeichnung des Arbeitnehmers sowie dessen Eintrittsdatum in das Unternehmen an.

Formulierung der Einleitung: Frau […] / Herr […] war seit dem […] in unserem Betrieb/Büro/Firma als [Berufsbezeichnung, z. Bsp. Sekretärin] beschäftigt.

 

2. Unternehmensbeschreibung

Im nächsten Abschnitt wird das Unternehmen kurz vorgestellt.
 

Formulierung der Unternehmensbeschreibung: Wir sind ein kleines Unternehmen im Metallbau und liefern Werkzeugmaschinen an die Automobilbranche. Wir beschäftigen derzeit 2340 Mitarbeiter. Der Unternehmenssitz ist Musterstadt.

 

3. Tätigkeitsbeschreibung

Es folgt die Aufgabenbeschreibung, die die wesentlichen Tätigkeiten des Arbeitnehmers wiedergibt. Der Arbeitgeber kann sich auf eine Aufzählung mit Spiegelstrichen beschränken oder die Tätigkeit in ganzen Sätzen beschreiben. Er sollte außerdem Kompetenzen, Verantwortung und eventuelle Karriereschritte des Arbeitnehmers darstellen.

Formulierung für eine Darstellung mit Spiegelstrichen:

Zu den Aufgaben von Frau […] / Herrn […] gehörten insbesondere:

– die Erstellung von PowerPoint Präsentationen;

– die Vorbereitung der Sitzungen des Aufsichtsrats;

– die jährliche Terminplanung des Vorstands;

– die Koordination des Traineeprogramms.

Formulierung für eine Darstellung als Fließtext:

Die Tätigkeit von Herrn […] / Frau […] umfasste insbesondere die Erstellung von PowerPoint Präsentationen für die wöchentlichen Abteilungsbesprechungen sowie die Vorbereitung der Sitzungen des Aufsichtsrats. Herr […] / Frau […] war nicht nur für die Erstellung der Tagesordnungen verantwortlich sondern trug auch die Verantwortung für den reibungslosen organisatorischen Ablauf der Sitzungen. Herr […] / Frau […] koordinierte zudem die jährliche Terminplanung des Vorstands. Hierzu musste sie Termine mit allen Niederlassungen und sämtlichen Fachabteilungen unseres Standortes in Deutschland koordinieren und entsprechende Räumlichkeiten bzw. Telefonkonferenzen organisieren. Herr […] / Frau […] zeichnete sich außerdem für die Koordination unseres Traineeprogramms verantwortlich. Unsere Trainees durchlaufen während ihres Traineejahres sechs verschiedene Stationen in den zentralen Abteilungen unseres Hauses. Herr […] / Frau […] wies unseren Trainees in enger Absprache mit den Fachabteilungen ihren Einsatzbereich zu. Darüber hinaus war sie Ansprechpartnerin für alle Sorgen und Nöte unserer Trainees.

 

4. Benotung des Arbeitgebers – Formulierungen zur Bewertung

Wie benotet der Arbeitgeber die Leistung des Arbeitnehmers?

In diesem Abschnitt beurteilt der Arbeitgeber die Leistung des Arbeitnehmers auf einer Notenskala von sehr gut bis mangelhaft. Kriterien sind Arbeitsbereitschaft („Wollen“), Arbeitsbefähigung („Können“), Arbeitsweise und Arbeitserfolg.

 

Formulierung Arbeitsbereitschaft:

Sehr gut: Herr/Frau zeichnete sich durch ein sehr hohes Maß an Engagement und außerordentliche Eigeninitiative aus (= Arbeitsbereitschaft).

Gut: Herr […] / Frau […] zeichnete sich durch ein hohes Maß an Engagement und Eigeninitiative aus.

Befriedigend: Herr […]/ Frau […] zeichnete sich durch Engagement und Eigeninitiative aus.

Ausreichend: Herr […] / Frau […] zeigte in ausreichendem Maße Engagement und Eigeninitiative

Mangelhaft: Herr […] / Frau […] zeigte mit Anleitung Engagement und Initiative.

 

Formulierung Arbeitsbefähigung:

Sehr gut: Er/Sie hat eine sehr rasche Auffassungsgabe und behielt in schwierigen Situationen einen sehr guten Überblick. Ihre außerordentlichen und detaillierten Fachkenntnisse setzte Herr […] / Frau […] jederzeit adäquat und ergebnisorientiert ein. Durch die erfolgreiche Teilnahme an externen und internen Fortbildungsveranstaltungen hat sie ihre Fachkenntnisse weiter vertieft und jederzeit auf aktuellem Stand gehalten.

Gut: Er/Sie hat eine rasche Auffassungsgabe und behielt in schwierigen Situationen einen guten Überblick. Ihre guten und fundierten Fachkenntnisse setzte Herr […] / Frau […] adäquat und ergebnisorientiert ein.

Befriedigend: Herr […] / Frau […] bewältigt neue Herausforderungen in ihrem Arbeitsalltag erfolgreich. Herr […] / Frau […] verfügt über fundierte Fachkenntnisse.

Ausreichend: Herr […] / Frau […] passt sich neuen Situationen in ihrem Arbeitsalltag an. Er /Sie verfügt über die erforderlichen Fähigkeiten seinen / ihren Arbeitsalltag zu meistern.

Mangelhaft: Herr […] / Frau […] passt sich neuen Situationen in ihrem Arbeitsalltag meist ohne Schwierigkeiten an. Er /Sie hatte die Möglichkeit, sich in externen/ internen Fortbildungen die nötigen Grundkenntnisse anzueignen.

 

Formulierung Arbeitsweise:

Sehr gut: Hervorheben möchten wir die stets vorbildliche Arbeitsweise von Herrn […] / Frau […]. Er / Sie erfasste schwierige Sachverhalte sehr schnell, erkannte wesentliche Probleme sofort und zeigte zügig praktikable Lösungen auf. Dank seiner / ihrer schnellen Auffassungsgabe überblickte er / sie auch komplexe Zusammenhänge sofort. Seine / Ihre weit überdurchschnittliche Urteilsfähigkeit ist geprägt durch eine klare und logische Gedankenführung. Herr […] / Frau […] ist Neuem gegenüber stets aufgeschlossen, er / sie hatte jederzeit praxisorientierte, kreative und sehr gut umsetzbare Ideen. Sie verfügt über außerordentlich gute rhetorische Fähigkeiten und drückt sich immer sehr klar aus.

Gut: Herr […] / Frau […] erfasste schwierige Sachverhalte schnell, erkannte wesentliche Probleme und zeigte praktikable Lösungen auf. Dank ihrer schnellen Auffassungsgabe überblickte er / sie auch komplexe Zusammenhänge. Herr […] / Frau […] ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, er / sie hatte jederzeit praxisorientierte, kreative und umsetzbare Ideen. Er / Sie verfügt über gute rhetorische Fähigkeiten und drückt sich immer klar aus.

Befriedigend: Herr […] / Frau […] erledigte ihr / ihm gestellte Aufgaben stets sorgfältig, genau und termingerecht. Er / Sie arbeitete sicher und selbstständig.

AusreichendHerr […] / Frau […] arbeitete sorgfältig und genau. Er / sie zeigte keinerlei Unsicherheiten bei der Ausführung der ihm übertragenen Aufgaben.

MangelhaftHerr […] / Frau […] arbeitete im Allgemeinen sorgfältig und genau. Er / sie zeigte keinerlei Unsicherheiten bei der Ausführung der ihm übertragenen Routineaufgaben.

 

Formulierung Arbeitserfolg:

Sehr gut: Die von Herrn […]/ Frau […] erzielten Arbeitsergebnisse zeichneten sich immer durch ihre beeindruckende, hervorragende Qualität aus. Die ihm /ihr selbst gesetzten Zielt hat er / sie auch unter schwierigsten Bedingungen stets erreicht, meist sogar übertroffen.

Gut: Die von Herrn […]/ Frau […] erzielten Arbeitsergebnisse zeichneten sich durch ihre hohe Qualität aus. Die vereinbarten Ziele hat er / sie auch unter schwierigen Bedingungen stets erreicht, oft auch übertroffen.

Befriedigend: Die Arbeitsqualität entsprach dem durchschnittlichen Standard seiner / ihrer Abteilung. Herr [..] / Frau […] erreichte vereinbarte Ziele.

Ausreichend: Die von ihm erzielten Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen. Vereinbarte Ziele erreichte er / sie in zufriedenstellendem Maße.

Mangelhaft: Die von ihm erzielten Arbeitsergebnisse entsprachen im Wesentlichen den Anforderungen. Er / sie bemühte sich, vereinbarte Ziele zu erreichen.

 

Welche Gesamtnote gibt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer?

Es folgt eine Gesamtnote mit einer Notenskala von sehr gut bis mangelhaft.

 

Formulierung:

Sehr gut: Die ihr übertragenen Aufgaben hat Herr […] / Frau […] stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.

Gut: Herr […] / Frau […] hat alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

Befriedigend: Herr […] / Frau […] erledigte alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit

Ausreichend: Herr […] / Frau […] erledigte alle Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.

Mangelhaft: Herr […] / Frau […] hat sich bemüht, alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

 

5. Beurteilung des Verhaltens gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden

Im Anschluss an die Gesamtnote beurteilt der Arbeitgeber das Verhalten des Arbeitnehmers gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden auf einer Notenskala von sehr gut bis mangelhaft. Der Kundenkontakt wird natürlich nur bewertet, wenn auch Kundenkontakt bestand.

Formulierung:

Sehr gut: Sein / Ihr persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich.

Gut: Sein / Ihr persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war vorbildlich.

Befriedigend: Sein / Ihr persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war gut.

Ausreichend: Sein / Ihr persönliches Verhalten gab zu keinen Beanstandungen Anlass

Mangelhaft: Sein / Ihr persönliches Verhalten beurteilen wir als insgesamt angemessen.

 

6. Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses 

Der Arbeitgeber gibt dann an, warum das Arbeitsverhältnis endete.

Formulierung:

Kündigung durch den Arbeitnehmer: Herr […] / Frau […] verlässt uns mit dem heutigen Tage auf eigenen Wunsch.

Aufhebungsvertrag:  Das Arbeitsverhältnis von Herrn […]/ Frau […] endet zum [Datum] einvernehmlich.

Betriebsbedingte Kündigung: Betriebsbedingt sind wir leider nicht mehr in der Herrn […] / Frau […] weiter in unserem Unternehmen zu beschäftigen.

Befristeter Arbeitsvertrag: Das Arbeitsverhältnis von Herrn […] / Frau […] war befristet und endet durch Zeitablauf mit dem heutigen Tage.

 

 

7. Schlussformel

Es ist üblich, das Arbeitszeugnis mit einer bestimmten Schlussformel zu beenden, die nochmals eine Note beinhaltet. Die Notenskala reicht wieder von sehr gut bis mangelhaft.

Formulierung:

Sehr gut: Wir bedauern ihren / seinen Entschluss außerordentlich. Danken für seine / ihre wertvollen Dienste und wünschen für ihre berufliche wie persönliche Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Gut: Wir respektieren diese Entscheidung, danken für seine / ihre guten Dienste und wünschen für seine / ihre berufliche wie persönliche Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Befriedigend: Wir bedauern diese Entwicklung und bedanken uns für die bisherige Mitarbeit. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Ausreichend: Wir waren mit der Arbeit von Herrn […] / Frau […] zufrieden und wünschen für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

Mangelhaft: Wir wünschen für die Zukunft alles Gute.

 

Unterschrift, Datum, Firmenstempel

Der Arbeitgeber muss das Zeugnis handschriftlich unterzeichnen. Als Datum wird meist der Zeitpunkt angegeben, an dem das Arbeitsverhältnis endet.

Ihre Meinung ist uns wichtig
War dieser Beitrag hilfreich?
[Gesamt: 2 Durchschnitt: 3]